Unsere Gesellschaft scheint in ihren Bewegungen oftmals höchst chaotisch.

Alle Menschen, die Bestandteil des gesellschaftlichen Systems sind, vollziehen kontinuierlich Bewegungen, welche nicht mit den Abläufen der übrigen Gesellschaftsmitglieder synchronisiert sind. Trotzdem stossen die Pendler an den Bahnhöfen nicht ständig aneinander. Wie lässt sich dies erklären?
Es stellt sich die Frage, ob die individuellen Fahrten und Gänge in der Gesamtheit des Systems fixe Abläufe darstellen oder aber eine in sich geschlossene Ordnung bilden, welche unmittelbar auf äussere Ereignisse reagieren kann.

In Bezugnahme auf die Tierwelt spricht man im letzteren Fall von einem komplexen, anpassungsfähigen System. Ein Beispiel hierfür wäre ein Makrelenschwarm, der einem Feind begegnet und auseinanderstiebt. Der Wissenschaftler James Lovelock behauptet in seiner Gaia-Hypothese, dass die ganze Erde ein solch komplexes, anpassungsfähiges System bildet. Ohne ganz so weit zu gehen, kann man die Gesellschaft dennoch als eine Art Superorganismus begreifen, in welchem individuelle Bewegungen und einheitliche Abläufe verschmelzen. Ein kollektives Verhalten erfolgt spontan, ist unmittelbar und funktioniert instinktiv, also ohne reflektierte Kontrolle und ausserhalb der Bewusstseinswahrnehmung des Einzelnen. Man spricht in diesem Falle auch von einem Schwarmverhalten. Wann jedoch sind unsere Bewegungen individuell, wann Bestandteil des Verhaltensrepertoires eines Superorganismus? In meinem Diplomprojekt möchte ich mich dieser Frage widmen.

Das „flowmotionproject“ stützt sich auf die These, dass in einem menschlichen System ein Auslöser vonnöten ist, um das System zu organisieren bzw. den Wechsel von der Individualbewegung zum Kollektivverhalten zu vollziehen. Ich vermute, dass das alleinige Bewusstwerden eines Menschen, Bestandteil eines Supersystems zu sein, Auslöser hierfür sein kann (Hawthorne-Effekt). Ich möchte versuchen, durch das Sichtbarmachen der kollektiven Bewegungen die einzelnen Menschen und schliesslich das ganze System zu beeinflussen, sei es auf der Ebene Schwarmtheorie und Bewegung Schwarmtheorie und Bewegung 06 des einzelnen Individuums oder der ganzen Gruppe. Des Weiteren mache ich mir die Theorie zunutze, dass sich der Mensch in den letzten Jahrzehnten von einem akustischen zu einem visuellen Individuum entwickelt hat. Früher wurden Informationen vermehrt durch Sprache übermittelt, heute – im Zeitalter von Fernsehen und Internet – hingegen über das Auge wahrgenommen. Wir sind es nicht mehr gewohnt, von einer Stimme geleitet zu werden, sondern lassen uns vielmehr von optischen Signalen leiten.

Dies bedeutet auch, dass wir uns durch visuelle Einflüsse stärker beeinflussen und steuern lassen. Gezielte optische Impulse können demnach grosse Wirkung zeigen.