Voraussetzungen:

Ein Experiment im Kindergarten sollte zeigen, ob Kinder offener als Erwachsene auf ihre visualisierten Bewegungen reagieren. Die Installation wurde am Morgen im Kindergarten aufgebaut, bevor die Kinder eintrafen. Sie wurden bei ihrem Eintreffen nicht darüber informiert, was es mit den farbigen Punkten an der Wand auf sich hat. Die Erfassung war auf die Zone ausgerichtet, in der sich die Kinder bevorzugt zum Spielen aufhielten. Die Visualisierung wurde an eine zugehörige Wand dieses Bereichs projiziert. Früher oder später mussten die Kinder also darauf aufmerksam werden.

 

Re flexion:

Es war sehr interessant, zu sehen, wie unterschiedlich die Kinder beim Betreten des Kindergartens auf die „Lichtpunkte“ reagierten.

Einigen Kindern gefielen die Punkte an der Wand als farbige Abwechslung, andere verstanden sofort, dass ihre Bewegungen in direktem Zusammenhang mit dem Farbenspiel an der Wand standen. Es war deutlich zu sehen, dass die Kinder viel offener damit umgehen konnten und sofort anfingen, mit der Visualisierung „zu spielen“ sowie andere darauf aufmerksam zu machen. Zusätzlich animierten sie die anderen Kinder, welche die Systematik der Installation nicht sofort begriffen hatten, sich auf der Erfassungsfläche zu bewegen, um zu sehen, wie sich zusätzliche Bewegungskörper auf die Projektion auswirken würden. Dies ist der klare Beginn eines klassischen Schwarmverhaltens. Ein interessantes aber unerwartetes Verhalten war, dass die – laut der Kindergärtnerin – in der Entwicklung weiter fortgeschrittenen Kinder die Funktionsweise der Installation nicht nur sofort verstanden, sondern dem Treiben der anderen Kinder eher passiv beobachtend beiwohnten. Zwar fungierten sie als Motivator der anderen Kinder, Experimente wurden selbst jedoch nur hin und wieder aktiv. Ein Mädchen, das die Kinect sofort entdeckt und die Systematik der Installation durchschaut hatte, wollte sich dem spielerischen Experiment gar ganz entziehen. Es testete die Reichweite der Erfassung und bewegte sie sich dann ausserhalb dieses Bereichs, um genau zu beobachten, wie die übrigen Kinder, die Kindergärtnerin und ich auf das Treiben der Anderen reagierten. Gemäss Vereinbarung mit der Kindergärtnerin klärten wir die Kinder nach zwei bis drei Stunden über die Versuchsanordnung, die Gerätschaften und deren Funktionsweise auf. Die meisten zeigten sich sehr interessiert und wollten das Ganze anschliessend mit mir zusammen „testen“, um herauszufinden, ob sich die Visualisierung im Zusammenhang mit einer grösseren Person verändert präsentiert. Das Experiment hat ganz klar gezeigt, dass Kinder viel schneller bereit sind, sich mit ihrem eigenen Abbild zu beschäftigen und damit zu spielen. Sie sind auch sofort bereit, andere Kinder dazu zu animieren, es ihnen gleich zu tun. Bereits in diesem Alter hat sich jedoch bei einigen gezeigt, dass sie die eigenen und die Bewegungen der Gruppe kritisch betrachten. Man kann wohl davon ausgehen, dass sich dieses Verhalten mit zunehmendem Alter noch verstärken wird.

Kommentieren

Sie müssen angemeldet sein, um kommentieren zu können.